Gesunde Katzen verfügen über einen starken Geruchssinn. Dieser ist zwar weniger ausgeprägt als ihr Seh- und Gehörsinn und auch schlechter als der von Hunden, jedoch weitaus besser als der des Menschen. Genau, wie der menschliche Fingerabdruck einzigartig ist, gilt das ebenso für den Abdruck der Katzennase, eine jede hat ihr einmaliges Muster. Die Nasenhöhle ist im obersten Bereich mit der in vielen Falten gelegten Riechschleimhaut ausgekleidet, in der auf einer Fläche von etwa 20 Quadratzentimeter mehr als 65 Millionen Sinneszellen des Geruchssinnes eingebettet sind. Diese erneuern sich alle zwei bis drei Monate. 


Ihr Riechorgan spielt im Leben der Miezen, die sich untereinander am Körpergeruch erkennen, eine zentrale Rolle und ist für viele Dinge zuständig. So findet das erste Kennenlernen  in der Regel von Nase zu Nase und der darauf folgenden Analkontrolle statt. Aus den Analdrüsen wird ein Sekret abgesondert, dass weiter Aufschluss über Stimmung und Persönlichkeit des Artgenossen erteilt. Das Beriechen der Analregion wird jedoch nicht jeder fremden Katze erlaubt und befreundete Katzen verzichten meist darauf.


Katzen beschnuppern und kontrollieren die ihnen angebotene Mahlzeit  immer erst gründlich,  bevor sie sich entscheiden, sie zu fressen oder stehen zu lassen. Dies kann z. B. der Fall sein, wenn das Futter bereits abgestanden ist oder aber noch der Geruch des Geschirrspülmittels am Futternapf haftet. Bei einem verschnupften Näschen können die Samtpfoten nichts mehr riechen und wenden sich so auch von den besten Leckereien ab. Leider warnt sie jedoch keiner ihrer Sinne z. B. vor für sie giftigen Pflanzen, mit Toxoplasmose-Erregern verseuchtem Fleisch oder auch laktosehaltiger Milch, die zu Durchfall führen kann. Bereits bei den neugeborenen Katzenbabies ist der  Geruchssinn schon so gut ausgebildet, dass es ihnen möglich ist, immer ihre gleiche „persönliche“ Zitze zu finden. An den Milchdrüsen werden auch beruhigende  Harmonie-Botschaften erzeugt und an die Kätzchen abgegeben.


Für sie besonders spannende und interessante unbekannte Gerüche nimmt die Katze beim Flehmen über das Jacobsen´sche Organ, das sich zwischen Gaumen und Nasenlöchern befindet, noch intensiver wahr, da hierbei gleichzeitig gerochen und geschmeckt wird. Dazu hebt die Mieze ihren Kopf, öffnet ein wenig das Mäulchen, rümpft die Nase und presst mit ihrer Zunge die ruckartig eingesaugte Luft gegen den Gaumen, um so durch ihr vomeronasales Organ weitere Informationen aus dem jeweiligen Geruch herauszufiltern. Dies spielt eine besondere Rolle bei der Kommunikation mit anderen Katzen durch Pheromone. Es handelt sich dabei um aus Talg- und Schweißdrüsen abgesonderte Botenstoffe, die nur von Artgenossen wahrgenommen werden können und damit anderen Tieren oder Menschen verborgen bleiben. So riechen z. B. Kater, wenn sie flehmen, schon von Weitem ein besonderes Pheromon, das Kätzinnen aussenden, wenn sie paarungsbereit sind. Duftdrüsen sind an den unterschiedlichsten Stellen am Körper der Fellnasen zu finden, wie am Oberkiefer, den Wangen, unter dem Kinn, um die Brustwarzen, am Rücken, an den Flanken, zwischen den Pfotenballen sowie an der Schwanzwurzel und am After.



Katzen speichern Erinnerungen über Gerüche.

Von sehr großer Bedeutung für die Miezen ist das Absetzen von Duftmarken bei der Errichtung und Abgrenzung ihres Territoriums in der Natur. Dieses dient sowohl den Katzen selbst als Orientierungshilfe aber auch anderen Artgenossen, die durch das Gebiet streifen und ihnen hiermit signalisiert wird, dass sie hier nicht erwünscht sind. Durch Kratzmarkieren werden Revierbotschaften durch Verteilen ihrer eigenen und einzigartigen Aromamischung aus den Schweißdrüsen an ihren Pfötchen hinterlassen. Weitere Stellen werden z. B. durch offen liegen gelassenen Kot oder durch ihren Urin gekennzeichnet. 


Durch Absonderung von sogenannten Gesichtspheromonen aus ihren Backendrüsen beim Köpfchenreiben an Ecken, Möbeln oder allen möglichen anderen Gegenständen sowie „ihren“ Menschen kennzeichnen glückliche Stubentiger mit ihrem eigenen Duft ihr Zuhause als vertraut. Sie hinterlassen u. a. so ihre Wohlfühlbotschaften, die ihnen jedes Mal das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit geben, wenn sie diese später erneut wahrnehmen. Indem sie ihre Köpfchen aneinander reiben, schmusen und sich gegenseitig ihr Fell pflegen, markieren sich Katzen, die sich gern haben, auch untereinander mit „Sozialpheromonen.


Samtpfoten haben u. a. eine Vorliebe für bestimmte Blumen- und Kräuterdüfte. Mit zu den bekanntesten zählen hierzulande auch Baldrian und die echte Katzenminze. Diese sind daher auch in vielen Katzenspielzeugen enthalten oder werden als Duftspray angeboten.  Sehr unterschiedlich ist jedoch die Reaktion der Stubentiger auf die verschiedenen Duftstoffe und Gerüche. So löst z. B. die Katzenminze, auch als Catnip bekannt, bei mehr als der Hälfte der Hauskatzen ein angenehmes, wohliges oder sogar berauschendes Gefühl aus, während die übrigen Miezen davon weniger oder gänzlich unbeeindruckt bleiben. Gründe dafür können sein, dass es sich dabei um sehr ängstliche oder gestresste Katzen handelt oder aber auch, dass ihnen das notwendige Gen nicht vererbt wurde, welches sie für die Duftstoffe der Katzenminze empfänglich macht. Eine noch viel intensivere und betörendere Wirkung wird dem in Deutschland noch eher weniger bekannten „Matatabi“ zugeschrieben. Diese aus Japan stammende Pflanze, die gleich eine ganze Mischung zahlreicher unterschiedlicher euphorisierender Duftstoffe enthält, wird dort seit Jahrhunderten als das wirksamste aller Katzenkräuter bezeichnet. Matatabi fasziniert sogar die Miezen, die sich nicht für Catnip begeistern und wird ebenfalls u. a. in Kräuterspielzeugen oder als Hölzchen zum Kauen und Spielen angeboten.

Da es bei zu häufigem Kontakt mit Produkten, die mit Kräuterdüften versehen sind, zum Gewöhnungseffekt kommt und die Katzen somit auf Dauer ihr Interesse daran verlieren, sollten sie höchstens 2 mal die Woche und da auch nur für kurze Zeit damit verwöhnt werden. Außerdem wird empfohlen, das Kräuterspielzeug dann wieder für die Samtpfoten unzugänglich und geruchsdicht verpackt, aufzubewahren. So ist es gewährleistet, dass diese Düfte in Situationen, in denen sie kurzzeitig als Hilfsmittel eingesetzt werden möchten, ihre Wirkung auch noch richtig entfalten können. Dies könnte z. B. der Fall sein beim Eingewöhnen an eine neue Umgebung, bei neuen Katzenmöbeln, die nicht angenommen werden oder aber auch beim Aufenthalt im Transportkorb während der Fahrt zum Tierarzt. 


Miezen haben von Natur aus in erster Linie deshalb eine Vorliebe für bestimmte Kräuter, weil diese eine gewisse Schutzfunktion ausüben. Freigänger und wild lebende Katzen profitieren davon, wenn sie die Pflanzen streifen und so deren Geruch und ätherischen Öle auf ihrem Fell verteilen und somit für kurze Zeit vor Parasiten geschützt sind, die dadurch abgeschreckt und ferngehalten werden.


Weitere Favoriten im Pflanzenreich sind für die Fellnasen u. a. Lavendel, Basilikum, Weinkraut, die Tartaren-Heckenkirsche oder Olivenbäume. Unangenehm und abstoßend dagegen wirkt z. B. der Geruch von Harfenstrauch, Storchschnäbel und frischer Rindenmulch. Möchte man Katzen von Beeten fernhalten, so kann man dies durch Streuen von Kaffeesatz oder durch Verteilen von geschälten Knoblauchzehen auf der Erde.


Darüber hinaus sind es aber die unglaublichsten Düfte, an denen die Fellnasen gefallen finden, wie z. B. von Klebstoffen, verschwitzter Kleidung, getragenen Schuhen, Zahnpasta oder bestimmtem Waschmitteln.