Das Schnurren ist eine ganz besondere Form der Lautgebung, die im ganzen Tierreich einzigartig und mit nichts zu vergleichen ist. Am häufigsten tritt sie in der Familie der Katzen auf. Die Gruppe der Kleinkatzen, zu der neben unseren Hauskatzen z. B. auch Luchs, Puma, Ozelot und Wildkatzen zählen, kann kontinuierlich sowohl beim Ein- als auch Ausatmen schnurren. Dafür sorgt das Zungenbein, dass bei ihnen verknöchert ist. Bei ihren großen Verwandten ist es elastisch und sie können diesen Ton, wenn überhaupt, nur beim Ausatmen erzeugen. Bei Tigern und Löwen zum Beispiel, schnurren nur die Weibchen während der Paarungszeit.


Über die Art und Weise, wie das Schnurrgeräusch entsteht, gibt es einige Hypothesen, es konnte jedoch bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. Am meisten favorisiert ist die Annahme, dass es, durch neuronale Impulse ausgelöst, zu schnellen Muskelkontraktionen im Kehlkopf kommt, welche die Stimmlippen in eine rhythmische Schwingung versetzen und so die Stimmritze erweitern oder verengen. Die dadurch hervorgerufene Vibration erzeugt den charakteristischen Laut, dessen Frequenz bei den Hauskatzen beim Einatmen in einem Bereich von 25 bis 28 Hz und beim Ausatmen bei 27 bis 40 Hz liegt. Größe und Gewicht des Tieres haben darauf keinen Einfluß. 


Ohne Anstrengung können alle Kleinkatzen über Stunden hinweg „Dauerschnurren“, dabei gleichzeitig auch noch andere Töne von sich geben oder währenddessen auch fressen und trinken. Neugeborene Katzenbabies schnurren schon kurz nach ihrer Geburt ganz leise während sie das erste Mal gesäugt werden und signalisieren so der Katzenmama, dass sie ausreichend mit Milch versorgt sind und es ihnen gut geht.


Bei kleinen Kätzchen ist das Schnurren die erste Lautgebung, zu der die Samtpfoten in der Lage sind. Allerdings muss sich das neuromuskuläre System noch einspielen und es bedarf für die Kleinen erst einmal längere Zeit der Übung, bis sie sich anhören wie die Großen. Das Schnurren der Katzenmama wiederum beruhigt die Jungen und vermittelt ihnen ein Gefühl des Wohlbefindens und der Sicherheit. Darum begrüßt sie ihren Nachwuchs auch jedesmal auf diese Weise, wenn sie weg war und ins Nest zurück kommt. 


Katzen schnurren aus den unterschiedlichsten Gründen und in jedem Gemütszustand, außer wenn sie sich in einer aggressiven Grundstimmung befinden. Am häufigsten hört man den heimeligen Ton wahrscheinlich, wenn man seine Mieze zärtlich anspricht, sie streichelt, krault, mit ihr kuschelt oder ihr Fell bürstet. Sie fühlt sich wohl, ist entspannt und zufrieden und teilt es ihrem Menschen auf diese Weise mit. Ebenso kann es sein, dass sie ihre Vorfreude auf die Mahlzeit, die ihr gleich serviert wird, so kundtut oder durch „Bettelschnurren“ erreichen möchte, dass der Futternapf früher als sonst gefüllt wird. Aber auch, wenn sich zwei Samtpfoten gegenseitig liebevoll putzen, wird oftmals der Schnurrapparat angestellt. 


Eine ganz andere Bedeutung bekommt das Schnurren, bei der Konfrontation zweier Artgenossen. So signalisiert die rangtiefere Fellnase, die sich bedrängt fühlt, der überlegenen damit, dass sie harmlos und friedlich ist und keinen Streit möchte. Umgekehrt lässt eine ranghöhere Mieze auf diese Weise erkennen, dass sie sich der unterlegenen in freundlicher Absicht nähert und ihr nichts Böses droht. Alte und kranke Katzen vermitteln dadurch, dass sie schwach und harmlos sind und von ihnen nichts zu befürchten ist. Hat eine Samtpfote Angst, weil sie sich in einer gefährlichen Situation oder einer Notlage befindet, aus der sie keinen Ausweg weiß und unter ziemlichem Stress steht, schnurrt sie, um sich selbst zu beruhigen.


Eine große Rolle spielt das Schnurren der Katzen für ihre Gesundheit. Da sie viele Stunden am Tag schlafend oder auch im Wachzustand liegend verbringen und körperlich wenig aktiv sind, ist das gleichmäßige Brummen, das den gesamten Körper der Tiere in Schwingung versetzt, besonders wichtig. Wissenschaftliche Studien belegen, dass dadurch Knochen und Muskeln, wie bei einer Art Training, sanft stimuliert werden und so fit und flexibel bleiben. Außerdem wird der Stoffwechsel der Knochen angekurbelt, wodurch deren Dichte zunimmt. Sind Katzen krank, verletzt oder haben Schmerzen dient ihnen das Schnurren zur Beruhigung. Es regt zudem ihre Selbstheilungskräfte an und fördert den Heilungsprozess von Muskelschäden, Knochenbrüchen und inneren Verletzungen.


Aber auch auf die Katzenhalter hat das Schnurren der Samtpfoten positive Auswirkungen, da das menschliche Gehirn darauf mit der Ausschüttung des Wohlfühlhormons Serotonin reagiert. Anspannungen fallen ab, der Gemütszustand verbessert sich und Bluthochdruck sowie Herzinfarktrisiko können nachweislich gesenkt werden. Sogar Patienten, die an psychosomatischen Erkrankungen, Asthma, Lungenerkrankungen oder Osteoporose leiden, profitieren von den heilenden Schnurrfrequenzen und auch auf Gelenke, Muskeln und Sehnen 

wirken sie sich vorteilhaft aus. Wie bei den Katzen, stellte man auch bei den Menschen fest, dass durch diese Vibrationen die Knochenfestigkeit gesteigert werden konnte und Brüche schneller heilten. Der Mediziner Dr. Florian Fritz aus Graz  entwickelte eigens ein „Schnurr-Therapie-Gerät, um seine Patienten mit den heilenden Frequenzen behandeln zu können. Es imitiert sowohl den Ton als auch die Vibration des Katzenschnurrens und wird seit einigen Jahren erfolgreich eingesetzt. 


Übrigens - Den Weltrekord im lautesten Schnurren einer Hauskatze, der ihm auch einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde einbrachte, hält seit 2015 der mittlerweile 18-jährige schwarz-weiße Kater Merlin aus Torquay (England). Seine Besitzerin Tracy Westwood rettete ihn als kleines Kätzchen aus einer Tierrettungsstation in Kinkerswell. Mit seinem ohrenbetäubenden Schnurren von knapp 70 Dezibel erreicht er fast die Lautstärke eines Rasenmähers.

Hinweis: Es schnurren übrigens nicht alle Katzen. Manche können es schlichtweg nicht. Falls die Samtpfote also partout nicht schnurren möchte, ist das kein Anlass zur Sorge!